Tiefergehendes

Dienstag, 3. April 2007

Hoffnung heisst die Schlange

Immer wieder windet sie sich vom Baum herab und verspricht uns Glück und Seeligkeit. Sie ist der inbegriff des Klinkenputzers und konnte sich der Kirche sogar als Tugend verkaufen. Selbst grosse Philosophen wie Kant sind ihr erlegen und haben sie als zentralen Punkt ihrer Philosophie gesehen. Die Schlange verteilte und verteilt ihr Gift mit grösstem Erfolg. Einzig Nietzsche liess sich nicht beissen (Menschliches, Allzumenschliches / 71. Die Hoffnung).

Denn die Hoffnung ist nicht da, um uns Glück zu bringen. Was man hat, hat man sich genommen. Hoffnung veranlasst uns nicht zu nehmen, was wir wollen, sondern darauf zu warten. Ihr einziges Ziel ist die Qual der Entäuschung durch nicht enden wollendes Zuwarten zu maximieren.

Doch wer predigt die Hoffnung? Einerseits religiös/philosophisch Verblendete, welche auf eine bessere Zukunft nicht nur hoffen, sondern vom Eintreten ihrer Hoffnung sogar überzeugt sind, meist in krasser Missachtung ihrer reellen Umwelt. Zum zweiten sind dies die Nehmer, welche sich durchaus bewusst sind, wohin Hoffnung führt. Doch sie sind sich noch viel mehr bewusst, dass man nur soviel nehmen kann, wie die anderen nicht nehmen. Solange die Masse also hofft, bleibt stehts genug.

Donnerstag, 1. März 2007

Bestaetigende Studien

Diese Woche sind zwei Studien mir verkommen, welche alte Vorurteile meinersteits bestatigt haben. Die erste:

Vitaminpraeparate verkuerzen das Leben

in einer Metastudie wurde bestaetigt, dass Leute, die Vitamin A oder E Praeparate schlucken, eine kuerzere Lebenserwartung haben, als die Kontrollpersonen. Fuer Vitamin C konnte keine Korrelation festgestellt werden. Gruende dafuer nennen die Studienersteller einerseits, dass Vitaminpraeparate keiner medizinischen Zulassung beduerfen, dass heisst, z.B. nicht auf Nebenwirkungen getestet werden muessen. Als zweite, mehr hypothetische Variante sehen sie die Moeglichkeit, dass eine regelmaessige Vitamineinnahme das Imunsystem schaechen kann (wie bekannt von sterilen Umgebungen).

Aber die Pharmakonzerne werden sich nicht reinreden lassen, da alleine in Europa rund 10% der Bevoelkerung regelmaessig solche Hilfsmittel schluckt und entsprechen einen Markt im 3stelligen Mia.Fr. Bereich bilden.

Die zweite Studie:

Personen mit Rechenschwaeche koennen Chancen und Gefahren nur schlecht einschaetzen

Personen mit leichten Rechenschwaechen wurden verglichen mit Normalrechnern und schnitten beim Einschaetzen von Chancen und Gefahren eindeutig schlechter ab. Grundsaetzlich kann man sagen, dass sie nur direkt vorstellbare Mengen in ihre Abschaetzungen miteinbezogen und dann nur die Quantitaet beruecksichtigen. Z.B. wenn sie aufgefordert wurden, aus einem Topf mit einem Gewinnlos unter 10 oder aus einem Topf mit 9 Gewinnlosen unter 100 zu ziehen, so waehlten die Rechenschwachen den Topf mit 9 aus hundert, da 9>1 und entsprechend ihre Chance ja groesser. Gleiches mit Gefahren. Wenn man ihnen sagte, dass 10% der Sexualstraftaeter rueckfaellig wuerden, so zeigten sie sich unbeeindruckt, sagte man ihenen jedoch, dass von bestimmten 100 zehn rueckfaellig wuerden, bekamen sie Angst. Aenderte man aber die Zahlen zu 10'000 und 1000 rueckfaelligen, so war deutlich weniger Veraengstigung festzustellen...

es bestaetigt mein Vorurteil, man kann Menschen die schoenste und best fundierteste Statistik zeigen, sie glauben immer nur einem Fall, den sie kennen.

Montag, 9. Oktober 2006

guter Artikel II

Wie der geneigte Leser und Googler bereits rausgefunden hat, entstammt die zitierte Textstelle der Feder Theodore Kaczynski's. Besser bekannt duerfte er sein unter dem Namen Unabomber und war fuer ueber ein Jahrzehnt die No.1 auf der FBI-Liste der meistgesuchten Verbrecher und ist bis heute der teuerste Kriminalfall des FBI. Seine Lebensgeschichte ist mehr tragisch als sonst was und eigentlich ein gutes Beispiel dafuer, wie die Gesellschaft mit gewissen Mitgliedern umgeht. Ich moechte an dieser Stelle jedoch nicht weiter darueber ausholen. Der Abschnitt entstammt seinem Manifesto "Industrial Society And Its Future".

Aber eigentlich geht es mir weniger um Kaszynski's Text als viel mehr um den Artikel, in welchem ich wieder ueber das Manifest gestossen bin. Es ist dies der Artikel, welchen Sun-Mitbegruender Bill Joy 2000 im Wired veroeffentlichte: Why the future doesn't need us. Wer sich fuer Technik und unseren Umgang mit dieser interessiert, dem sei dieser Text, auch wenn er etwas lang sein mag, waermstens ans Herzen gelegt. Und ich halte auch den Vergleich durch die Times mit dem Brief von Einstein an Roosevelt fuer nicht uebertrieben. Nur duerfte Joy recht haben, dass Warnen im Krieg (oder in der Absehbarkeit eines solchen) einfacher ist.

Montag, 2. Oktober 2006

gute Artikel

Auf der heutigen Suche nach Papern in meinem Fachgebiet bin ich heute ueber einen Artikel gestolpert, in dem ein anderer aelterer und mir prinzipiel bekannter Artikel zitiert wird. Der zitierte Artikel ist beinahe unendlich lang, weshalb ich ihn, trotz Interesse, nur ueberflogen hatte. Doch die zitierte Textstelle ist eine sehr gute Synopsis des gesamten Problems, wenn auch eine teils zu starke Vereinfachung. Ich moechte im Moment weder den Link zum ersten noch zum zweiten Artikel geben, sondern moechte, dass die Textstelle unvoreingenommen gelesen wird und wer Lust hat, darf auch gerne Tipps zur Autorenschaft abliefern (nein, ich bins nicht ;-) ):

THE NEW LUDDITE CHALLENGE
First let us postulate that the computer scientists succeed in developing intelligent machines that can do all things better than human beings can do them. In that case presumably all work will be done by vast, highly organized systems of machines and no human effort will be necessary. Either of two cases might occur. The machines might be permitted to make all of their own decisions without human oversight, or else human control over the machines might be retained.

If the machines are permitted to make all their own decisions, we can't make any conjectures as to the results, because it is impossible to guess how such machines might behave. We only point out that the fate of the human race would be at the mercy of the machines. It might be argued that the human race would never be foolish enough to hand over all the power to the machines. But we are suggesting neither that the human race would voluntarily turn power over to the machines nor that the machines would willfully seize power. What we do suggest is that the human race might easily permit itself to drift into a position of such dependence on the machines that it would have no practical choice but to accept all of the machines' decisions. As society and the problems that face it become more and more complex and machines become more and more intelligent, people will let machines make more of their decisions for them, simply because machine-made decisions will bring better results than man-made ones. Eventually a stage may be reached at which the decisions necessary to keep the system running will be so complex that human beings will be incapable of making them intelligently. At that stage the machines will be in effective control. People won't be able to just turn the machines off, because they will be so dependent on them that turning them off would amount to suicide.

On the other hand it is possible that human control over the machines may be retained. In that case the average man may have control over certain private machines of his own, such as his car or his personal computer, but control over large systems of machines will be in the hands of a tiny elite - just as it is today, but with two differences. Due to improved techniques the elite will have greater control over the masses; and because human work will no longer be necessary the masses will be superfluous, a useless burden on the system. If the elite is ruthless they may simply decide to exterminate the mass of humanity. If they are humane they may use propaganda or other psychological or biological techniques to reduce the birth rate until the mass of humanity becomes extinct, leaving the world to the elite. Or, if the elite consists of soft-hearted liberals, they may decide to play the role of good shepherds to the rest of the human race. They will see to it that everyone's physical needs are satisfied, that all children are raised under psychologically hygienic conditions, that everyone has a wholesome hobby to keep him busy, and that anyone who may become dissatisfied undergoes "treatment" to cure his "problem." Of course, life will be so purposeless that people will have to be biologically or psychologically engineered either to remove their need for the power process or make them "sublimate" their drive for power into some harmless hobby. These engineered human beings may be happy in such a society, but they will most certainly not be free. They will have been reduced to the status of domestic animals.

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